Europa kann bis 2050 treibhausgasneutral werden und gleichzeitig deutlich unabhängiger von fossilen Energieimporten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Forschungszentrums Jülich, die am heutigen Donnerstag in Brüssel vorgestellt worden ist.
Entscheidend dafür ist aus Sicht der Forscher ein massiver Ausbau von Wind- und Solarenergie. Gleichzeitig müssten Stromnetze, Speicher und Anlagen zur Wasserstoffproduktion europaweit stärker ausgebaut und miteinander verknüpft werden. Strom würde in einem klimaneutralen Energiesystem deutlich wichtiger und unter anderem auch zur Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen genutzt.
Die Studie zeigt außerdem, dass Europa dadurch weniger anfällig für internationale Öl- und Gaspreissprünge werden könnte. Im untersuchten Net-Zero-Szenario sinken die jährlichen Ausgaben für Energieimporte von rund 240 Milliarden auf etwa 26 Milliarden Euro. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Summe vollständig eingespart wird: Stattdessen wären hohe Investitionen in europäische Energieanlagen und Infrastruktur nötig.
Eine vollständige Unabhängigkeit hält das Forschungszentrum Jülich dennoch weder für realistisch noch für notwendig. Statt Öl und Gas könnten neue Abhängigkeiten entstehen – etwa bei Lithium, seltenen Erden, Technologien oder Wasserstoffimporten. Wichtig sei deshalb, Lieferketten breiter aufzustellen, Recycling auszubauen und mehr Verarbeitungskapazitäten in Europa zu schaffen.
Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern spielt eine zentrale Rolle. Bei einer mehrwöchigen Dunkelflaute könnten Regionen mit ausreichend Energie andere Gebiete über das europäische Stromnetz mitversorgen. Speicher und andere regelbare Energiequellen sollen solche Engpässe zusätzlich abfedern.
Die Forscher warnen außerdem davor, den Umbau des Energiesystems einfach aufzuschieben. Dadurch würden Investitionen und wirtschaftliche Belastungen nicht verschwinden, sondern lediglich nach hinten verschoben und über einen längeren Zeitraum verteilt.