Künstliche Intelligenz soll an den Schulen in Ostbelgien künftig eine größere Rolle spielen. Das Thema werde bei der Reform der Rahmenpläne fest verankert, kündigt Bildungsminister Jérôme Franssen (CSP) an. Für ihn ist klar: „KI ist eine Realität und sie wird es auch bleiben. Sie ist Chance und Risiko zugleich“, sagt er im 100,5-Interview.
Besonders große Möglichkeiten sieht Franssen beim individuellen Lernen. Künstliche Intelligenz könne dabei helfen, Inhalte besser auf einzelne Schüler zuzuschneiden. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, jungen Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie beizubringen. „Wir müssen damit einen selbständigen Umgang erlernen“, so Franssen weiter. Deshalb sollen Informations- und Medienkompetenz künftig verpflichtend vermittelt werden.
Wie genau KI im Unterricht eingesetzt wird, sollen die Schulen weitgehend selbst entscheiden. Die Deutschsprachige Gemeinschaft will dafür einen gemeinsamen Rahmen schaffen und Fragen rund um Datenschutz, Chancengleichheit und rechtliche Vorgaben klären. „Die Gestaltung wollen wir natürlich den Schulen zugestehen.“
Neben den Chancen sieht der Minister auch Risiken. Die größte Herausforderung sei, dass Schüler trotz KI weiterhin eigenständig denken und Wissen kritisch hinterfragen können. „Die künstliche Intelligenz darf die Selbständigkeit des Menschen nicht verringern“, betont Franssen. Gerade deshalb würden Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Recherchieren und Quellenbewertung sogar noch wichtiger werden.
Auch Lehrkräfte sollen auf die Entwicklung vorbereitet werden. Geplant sind Weiterbildungen, pädagogische Konferenztage und neue Orientierungshilfen für die Schulen. Denn für Franssen steht fest: „Die Entwicklung ist schneller als das, was wir im Moment bereits tun“. Umso wichtiger sei es, dass Schulen, Lehrer und Schüler lernen, mit der Technologie Schritt zu halten.