• PRO­TES­TE GE­GEN RE­FORM DER KRAN­KEN­VER­SI­CHE­RUNG

    Psychotherapeuten schlagen erneut Alarm. Mit bundesweiten Protestaktionen wenden sie sich gegen die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch in Aachen machen Therapeuten an diesem Wochenende auf ihre Sorgen aufmerksam - unter anderem mit einem Infostand beim Kimiko-Festival.

    Carina Deckers, Psychotherapeutin aus Aachen, sieht vor allem die geplante Rückkehr zur Budgetierung kritisch. Dadurch könnte die Zahl der behandelten Patienten deutlich begrenzt werden. „Ich selber behandle aktuell um die 28 Patienten pro Woche. Das heißt, ich müsste zehn Therapien beenden und könnte die auch nicht neu besetzen“, sagt sie im 100,5-Interview. Bundesweit könnten dadurch nach Berechnungen aus der Branche bis zu 100.000 Therapieplätze wegfallen.

    Besonders problematisch sei, dass viele Menschen schon heute lange auf einen Therapieplatz warten. Deckers berichtet, dass sie seit April keine neuen Patienten mehr aufnimmt und auch keine neuen Menschen auf ihre Warteliste setzt. Der Grund: Die Unsicherheit darüber, wie viele Patienten sie künftig überhaupt noch behandeln darf.

    Auch bei ihren Patienten stößt die Reform auf Unverständnis. „Die Patientinnen sind natürlich alle total schockiert. Die können das überhaupt nicht nachvollziehen“, so die Therapeutin weiter. Viele Betroffene hätten selbst lange auf Hilfe warten müssen und sorgten sich jetzt um ihre weitere Behandlung.

    Die Bundesregierung will mit dem Gesetz die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen stabilisieren. Psychotherapeuten befürchten allerdings, dass die Versorgung dadurch schlechter wird. Ähnliche Sorgen äußern Fachverbände bundesweit. Sie warnen vor längeren Wartezeiten und deutlich weniger Therapieplätzen.

    Deckers hält die Einsparungen für kurzsichtig. „Jeder Euro, der in Psychotherapie gesteckt wird, bringt 5,50 Euro zurück.“ Therapien könnten Arbeitsausfälle, Krankenhausaufenthalte und Frühverrentungen verhindern.

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