Die Spargel- und Erdbeerernte in Nordrhein-Westfalen fällt in diesem Jahr so schlecht aus wie seit zehn Jahren nicht. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamtes werden 17,6 Prozent weniger Erdbeeren und 7,4 Prozent weniger Spargel geerntet als im vergangenen Jahr.
Im Kreis Heinsberg sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Arne Hensgens vom Hofladen Juppi's Hof im Selfkant spricht von einer durchschnittlich guten Saison. Der Grund: Die schlechten Zahlen seien nicht in erster Linie auf das Wetter zurückzuführen. „Bei uns war die Erdbeer- und auch Spargelernte durchschnittlich gut“, sagt er im 100,5-Interview. Hinter den landesweiten Zahlen stecke vor allem, dass immer weniger Flächen bewirtschaftet würden.
Vor allem bei Erdbeeren gehe der klassische Freilandanbau seit Jahren zurück. „Der Hauptgrund sind die Lohnkosten“, erklärt Hensgens. Durch steigende Mindestlöhne werde der arbeitsintensive Anbau auf dem Feld für viele Betriebe zunehmend unrentabel. Deshalb würden viele Landwirte entweder ganz aufhören oder – wie sein Betrieb – auf den geschützten Anbau in Folientunneln umsteigen. Dort seien Qualität und Erträge besser, gleichzeitig sei das Risiko geringer.
Auch beim Spargel sieht Hensgens weniger das Wetter als Problem. Vielmehr würden immer mehr Betriebe den Anbau aufgeben. „Es fangen keine neuen Landwirte an mit dem Spargelanbau, aber es hören jedes Jahr wieder Betriebe auf“, sagt er. Gründe seien unter anderem fehlende Hofnachfolger, steigende Kosten, Bürokratie und wirtschaftliche Unsicherheiten. Das sogenannte Höfesterben sei längst in der gesamten Landwirtschaft zu beobachten.
Ganz ohne Auswirkungen bleibt die anhaltende Trockenheit aber auch im Selfkant nicht. Nach der Spargelernte müsse jetzt bewässert werden, damit die Pflanzen Kraft für die nächste Saison sammeln können. „Es hat hier bei uns im Selfkant seit sechs Wochen nicht mehr geregnet. Das heißt, wir müssen jetzt bewässern, damit wir im nächsten Jahr wieder starke und kraftvolle Pflanzen haben“, so Hensgens. Erdbeeren werden auf seinem Hof ohnehin über Tröpfchenbewässerung direkt an den Wurzeln versorgt. Das spare Wasser und sorge für eine gleichmäßige Versorgung.