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Bürgerrat fordert Verkehrswende – Ziemons reagiert offen, aber vorsichtig

Der Aachener Bürgerrat hat neun Vorschläge für eine gerechtere und klimafreundlichere Mobilität vorgestellt. Im Fokus stehen bessere Park-and-Ride-Angebote, barrierefreie Haltestellen und sozial gerechte Ticketmodelle.

Der designierte Oberbürgermeister Michael Ziemons zeigt Verständnis – warnt aber vor zu hohen Erwartungen.

Wie kann Mobilität in Aachen gerechter, sicherer und nachhaltiger werden? Mit dieser Frage hat sich der Aachener Bürgerrat in den vergangenen Monaten beschäftigt – und nun konkrete Empfehlungen vorgelegt. Vom Ausbau barrierefreier Haltestellen über neue Parkraumkonzepte bis hin zu günstigeren ÖPNV-Angeboten: Der Rat fordert ein Umdenken im städtischen Verkehrssystem. Ziemons begrüßt viele Ideen, mahnt aber zur Geduld.

Rund 50 ausgeloste Bürgerinnen und Bürger hatten über mehrere Wochen an den Vorschlägen gearbeitet, die jetzt in den politischen Prozess einfließen. Besonders wichtig ist den Teilnehmenden ein attraktiverer Nahverkehr. Park-and-Ride-Plätze sollen besser an Bus und Bahn angebunden werden – ein Vorschlag, den auch Ziemons unterstützt: „Um attraktiv zu sein, müssen Park-and-Ride-Parkplätze mehr sein als irgendwelche Parkplätze an einer Bushaltestelle irgendwo in der Nähe. Die Zukunft liegt in Mobility Hubs an den Hauptverkehrsachsen, die mehrere Verkehrsmittel verbinden. Sichere Fahrradabstellanlagen, Carsharing-Angebote und dann natürlich noch eine kurze Taktung der Busverbindungen und ein günstiges Ticket.“

Ein weiteres zentrales Thema: Barrierefreiheit. Aachen hat hier aus Sicht des Bürgerrats Nachholbedarf, insbesondere bei Haltestellen. Ziemons verweist auf die Größe der Aufgabe: „Aachen ist ja schon seit Jahren dabei, die Haltestellen auszubauen, wir haben aber über 1.000 Haltestellen. Deswegen können wir auch die gesetzliche Verpflichtung nicht erfüllen, die vorsieht, dass das eigentlich schon hätte bis 2022 geschehen müssen. Es gibt eine Landesförderung, da kann man bis zu 100 Prozent erstattet bekommen.“
Allein in diesem Jahr wurden laut Stadt mehr als 160 Haltestellen modernisiert.

Auch beim Thema Ticketpreise fordert der Bürgerrat neue Wege – etwa durch kostenlose oder stark vergünstigte Angebote für bestimmte Gruppen. Ziemons sieht hier Spielraum, aber auch Grenzen: „Wir haben ja im Aachener ÖPNV das Deutschlandticket, und da gibt es eben auch das wesentlich günstigere Deutschlandticket-Sozial. Das ist genau der richtige Weg. Weitere Vergünstigungen für bestimmte Gruppen kann ich mir gut vorstellen. Das muss aber sozial gerecht sein, es muss finanziert werden können und wir müssen es organisatorisch auch einfach umsetzen können.“

Die Empfehlungen des Bürgerrats werden nun im Stadtrat diskutiert. Im Dezember soll das Gutachten offiziell vorgestellt und an die zuständigen Ausschüsse weitergeleitet werden. Ziemons will die Anregungen ernst nehmen – auch wenn nicht alles sofort umgesetzt werden könne: Ziel sei eine Mobilität, „die alle mitnimmt – im wörtlichen und übertragenen Sinne“.

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