Eine Demo, acht Gegendemos
Am Wochenende wird es voll in der Aachener Innenstadt. Neun Demos und Kundgebungen sind für Samstag (18.01.) bei der Polizei angemeldet worden.
Ausgangspunkt ist eine rechte Demo, die in der Nähe des Autonomen Zentrums am Hauptbahnhof stattfindet.
Um die Demo gab es anfangs viel Wirbel. Organisator Ferhat Sentürk, ehemaliges Mitglied der AfD in Aachen, hatte die Veranstaltung zunächst abgesagt. „Die Situation war so, dass eine immense Gewaltandrohung in der Luft herrschte und auch mein persönliches Umfeld angegriffen wurde“, begründet Sentürk seine Entscheidung im 100,5-Interview. Es soll wohl auch zur konkreten Gewalthandlung gekommen sein - ins Detail möchte er dabei nicht gehen. Noch am selben Tag der Absage kam die Kehrwende: Die Demo gegen den in seinen Augen aufsteigenden Linksextremismus in Deutschland findet doch wie geplant am 18. Januar 2025 in Aachen statt.
Nach seiner Zeit bei der AfD in Aachen gründete Sentürk die Bürgerliche Allianz für Deutschland (BAD) sowie die Intensiv Allianz NRW, die in Kürze auch offiziell als politische Partei an den Start gehen soll.
„Für Recht und Ordnung“ - unter dem Motto macht der Veranstalter die Demonstration am Samstag publik. Start ist um 16:00 Uhr am Bahnhof Rothe Erde, von wo aus ein Demonstrationszug Richtung Autonomes Zentrum (AZ) in der Aachener Innenstadt zieht, in dessen Nähe die Abschlusskundgebung stattfindet. Das Autonome Zentrum zählt als zentraler Anlaufpunkt für Menschen mit antifaschistischen und antisexistischen Werten. Die Lokation ist nicht zufällig gewählt. „Das Autonome Zentrum ist bewusst gewählt worden, weil wir das als organisatorischen Ort der Antifa und des Schwarzen Blocks und damit den Ursprung des Extremismus in Aachen betrachten“, so Sentürk weiter.
Parallel findet im AZ eine Veranstaltung der queeren Community statt. Dass die beiden Veranstaltungen kollidieren sei aber reiner Zufall, so Sentürk. Er möchte ein gewalttätiges Aufeinandertreffen verhindern und betont, dass die Veranstaltung der queeren Community nicht gestört werden soll. Dass die Demo genau an diesem Tag stattfindet, hat für ihn andere Gründe: „Ich verknüpfe Ereignisse gerne mit historischen Tagen“ - damit bezieht er sich auf die Gründung des Deutschen Kaiserreichs, die auf den 18. Januar 1871 datiert ist.
Die Antifajugend in Aachen sieht das ganz anders. Für sie steckt in der Wahl des Datums und des Ortes der Demo eine bewusste Provokation. „Das AZ steht seit Jahrzehnten für einen offenen Raum, der von verschiedenen Gruppen genutzt wird [...] und diese Menschen einzuschüchtern ist definitiv der Plan“, sagt ein Sprecher der Antifajugend Aachen im 100,5-Interview. Aus diesem Grund ginge es darum, sowohl das AZ als auch die Menschen dort zu beschützen.
Geplant sind mit dem Stand von Donnerstag acht Gegendemos zur rechten Demo. Organisiert werden die von unterschiedlichen Initiativen. Zum Beispiel ruft der Rainbow Aachen e.V. zu einer Menschenkette auf, um die Teilnehmer der queeren Veranstaltung zu schützen. Von 18:00 Uhr an bis 03:00 Uhr nachts soll diese Menschenkette vom Hauptbahnhof über die Hackländerstraße, die Vereinsstraße bis hin zum AZ gebildet werden. Dazu wird es von mittags an diverse Kundgebungen an verschiedensten Orten in Aachen geben - unter anderem an den Aachen Arkaden, der Josefskirche und am Kaiserplatz. Die Polizei rechnet in etwa mit 4.000 Teilnehmern. Je nach Entwicklung könnte die aber noch steigen.
Im vergangenen Jahr hat es in Aachen bei einer Demo gegen den aufsteigenden Rechtsextremismus knapp 30.000 Teilnehmer gegeben. „Ich glaube, wir haben das Potenzial, wieder mit zehntausenden Menschen auf der Straße zu stehen“, sagt der Sprecher der Antifajugend weiter. Eine entsprechende Online-Petition gegen die rechte Demo hat knapp 40.000 Unterschriften. „Was kommt, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass wir auf jeden Fall eine große, starke Menge sein werden.“
Die Polizei wird mit einem Großaufgebot vor Ort sein. Insgesamt rechnet sie aber erfahrungsgemäß mit einem friedlichen Aufeinandertreffen. Auf Gewalt und Provokationen will die Polizei frühzeitig und konsequent reagieren. Während der Demonstrationen werden immer wieder temporäre sowie dauerhafte Straßensperrungen eingerichtet und verkehrslenkende Maßnahmen durchgeführt.
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