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Mein Tag im Rollstuhl

Max ist 42 Jahre alt und sitzt von Geburt an in einem Rollstuhl. Mit ihm zusammen werde ich einen Vormittag im Rollstuhl verbringen, um herauszufinden, wie barrierefrei das 100,5 Revier ist. Wie sieht der Alltag im Rollstuhl aus? Welche Hindernisse gibt es? Welche Bereiche sind rollstuhlfreundlich? Und vor allem: Wie werde ich mich fühlen?

Ich freue mich auf diesen Job. Das ist es, was ich als Reporter und als Mensch liebe: Den Perspektivwechsel, in die Rolle eines anderen schlüpfen, ein wenig nachempfinden zu können, wie sich andere fühlen.

Am Aachener Dom treffe ich Max und die Crew von der Lebenshilfe Aachen. Lea Erkens von der Öffentlichkeitsarbeit hat für mich einen Rollstuhl organisiert - jetzt wird es Ernst, ich nehme für drei Stunden Platz in meinem neuen fahrbaren Untersatz.

Das Erste, was mir auffällt: Mein Becken scheint wohl zu groß für den Rollstuhl zu sein. Auch bei Rollstühlen gibt es offenbar verschiedene Größen und Lea wollte mir wohl schmeicheln und hat XS ausgewählt. Was mir sonst noch auffällt: Der rechte Reifen scheint irgendwie etwas schwerfälliger zu sein als der linke. Anfänglich stört mich das kaum, aber je länger wir in der Aachener Innenstadt unterwegs sind, umso mehr belastet mich diese Kleinigkeit. Denn neben meiner Kraftanstrengung, den Rollstuhl in Bewegung zu setzen, muss ich die ganze Zeit darauf achten, das rechte Rad kräftiger zu drücken. An dieser Kleinigkeit wird mir bewusst: Egal wie marginal das Problem auch sein mag, wenn Du im Rollstuhl sitzt und auf ihn angewiesen bist, kann Dich so was ganz schön nerven und letztendlich auch frustrieren.

Als Rollstuhlfahrer sind alle Hindernisse immer zum Greifen nah. „Aachen ist eine sehr alte Stadt und hat viele alte, denkmalgeschützte Bauten, die mit engen Eingängen oder Treppen versehen sind“, erzählt Max. Tatsächlich: Egal, ob Bäckereien, Büchereien oder Baugruben - irgendwie habe ich immer wieder mit Hindernissen zu kämpfen. Das größte Problem ist allerdings das Kopfsteinpflaster. Am schlimmsten ist es, wenn die Innenräume nicht mit Sand oder Beton aufgefüllt sind und der Reifen hängen bleibt. Umfahren ist vor allem in der Innenstadt praktisch unmöglich.

Um mir zu zeigen, wie Barrierefreiheit aussehen kann, durfte ich außerdem dabei sein, als die ersten Rampen, die wir gemeinsam mit der Lebenshilfe verschenken, an den einzelnen Geschäften angebracht wurden. Auch die vermeintlich kleine Steigung ist für mich echt ungewohnt, Max macht das allerdings wie ein Profi und freut sich, selbstständig Orte erreichen zu können, die ihm sonst verwehrt bleiben.

Nach drei Stunden ist meine Reise zu Ende. „Na wie fühlst du dich?“, fragt Max. „Ich bin platt und habe morgen bestimmt Muskelkater“, gebe ich ehrlich zu. „Da kannst du dir mal vorstellen, wie das für uns ist, wenn Du 12 bis 14 Stunden in dieser Karre verbringen musst. Ich finde es toll, dass du das Experiment gemacht hast“.

Ich fand es auch toll, bin aber gleichzeitig auch erleichtert, wieder auf meinen Beinen zu stehen. Diese Erfahrung hat mich in jedem Fall auch nachhaltig geprägt: Mir fallen Menschen in Rollstühlen plötzlich schneller auf und ich sehe Hindernisse und Hürden an jeder Ecke. Vor allem sehe ich aber auch Kopfsteinpflaster. Mein absoluter Endgegner. Der Bodenbelag vermittelt mir optisch nach wie vor dieses ursprüngliche Gefühl einer schicken Stadt aus dem Mittelalter, doch gleichzeitig auch eine Barriere für alle, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Ich freue mich allerdings auch darüber, dass wir an den ersten Stellen kleine Schritte für die Barrierefreiheit unternommen haben. Und ich hoffe, dass noch viele mehr dazu kommen.

Danke an dieser Stelle noch an meinen Guide und Zen-Meister Max und das Team von der Lebenshilfe in Aachen und Heinsberg für die Unterstützung.

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